EIN GEFAKTES LEBEN.

Alibis von A bis Z

Von Ursula.

Jetzt mal ganz ehrlich, wer von uns hat nicht auch schon mal eine Notlüge verwendet? Umso spannender war der Bericht im DLF über die Alibi Agentur des Deutschen Stefan Eiben, der seit nunmehr 17 Jahren Lügen zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht hat.

Die Idee einer Alibi-Agentur ist nicht ganz neu und kommt ursprünglich aus den USA, wo eine gesellschaftliche Schande schwerer wiegt als eine gemeine Lüge. Aber auch in unseren Breitengraden kann man mittlerweile per Mausklick „ein Stück Freiraum“ kaufen, wie einige der Anbieter ihre sorgsam durchdachten Lügenmodelle anpreisen.

Und schon werden fingierte Alibis verkauft. Wenn’s sein muss auch weltweit und zu einem erschwinglichen Preis.

So flattern termingerecht Postkarten von der Geschäftsreise aus Hongkong ins Haus, während in Wahrheit der Ehemann mit seiner Geliebten irgendwo anders Urlaub macht. Übrigens – Postkarten – eines der Top-Seller von Eibens Alibi-Agentur. Preis ab 12,- Euro.

Mit Freude von der Familie zum Kennenlern-Abendessen eingeladen, kommt endlich die Freundin und zukünftige Ehefrau des Sohnes auf Besuch. Sie – von Eibens Agentur engagierte Schauspielerin, er, der Sohn – in Wahrheit schwul.

Und wenn’s dann doch eng wird und die Familie auf Heirat drängt, kann auch eine Trennung stilecht inszeniert werden. Wilder Streit vor versammelter Familie inklusive.

Das Angebot ist fast so groß wie der Bedarf. Moralische Bedenken gibt es keine. Grenzen jedoch schon. Und zwar genau da, wo die gefakten Alibis missbraucht würden, um Gesetze zu brechen.

Wo die Agenturen jedoch glauben, mit ihrer Dienstleistung Freiräume zu schaffen, gibt es kaum etwas, was es nicht gibt.

So kann schon mal die neue Freundin aus der Saunarunde auf einen Kaffee vorbeikommen. Und der treue Ehemann wird keinen Verdacht hegen, wenn seine Frau ab jetzt öfter mit Sonja, der neuen Vertrauten seiner Gattin, Zeit verbringt. Was er nicht weiß ist, dass Sonja von einer Alibi-Agentur kommt und seine Frau die Zeit mit einem Liebhaber verbringt.

Von Arbeitsbescheinigungen, über Sozial-Media-Fakes, getürkten Fotoaufnahmen mit Promis, fingierte Einladungen, Seminare, falsche Hotelreservierungen, Buchungsbestätigungen, Alibi Reisen, abgesprochene Telefonate bis hin zum perfekt organisiertem Doppelleben bieten die Agenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihren Service an.

Wer will und kann, besorgt sich für sein Zweitleben eine Lügen-Flatrate und kauft sich fingierte Alibis.

Männer genauso wie Frauen.

Büros, in denen die Deals vereinbart werden, gibt es keine, man trifft sich in anonymen Kaffeehäusern. Die Mitarbeiter der Agentur koordinieren die Geschäfte von zu Hause aus. Eiben selbst lebt in Spanien, da es dort einfach wärmer ist und ihm offensichtlich sowieso kein Pflaster zu heiß ist.


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