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Ich will keine Schokolade – ich will lieber einen ...

Ich will keine Schokolade – ich will lieber einen Mann!

Selbstversuch 1: Inserat

Von Ursula.

Das Inserat in der Süddeutschen

Der Entschluss war schnell gefasst, der Text von 3 der 10 besten Freundinnen als „reizend, charmant, da steht alles drinnen…“ abgesegnet und der Preis stand auch fest: € 180,- in der Samstagausgabe, unter der Rubrik „Heirats- & Bekanntschaftsanzeigen“. Eigentlich ein Schnäppchen, für die Liebe des Lebens.

 

Die Süddeutsche – dachte ich – hat ein größeres Einzugsgebiet, die Bayern sind uns Österreichern irgendwie artverwandt – und ein neues Terrain könnte auch nicht schaden. Grenzgebiet Salzburg/Bayern nicht zu vergessen!

Nächster Tag, 6.oo Uhr früh: die ersten mails

Als ich am Samstag den Computer startete und auf meinen mail-account schaute, war ich mehr als überrascht.

 

Bereits ab 6.00 Uhr früh waren die ersten Anwärter online und hatten Nachrichten hinterlassen.

Kandidat 1: mit Foto, aus Sri Lanka – 23 Jahre alt. Oh nein, der arme Kerl würde sogar heiraten um auswandern zu können. Wie schrecklich!

Kandidat 2: ohne Foto, ziemlich langweiliger Text.

Kandidat 3: mit Foto, Text eh’ nett, aber so gar nicht mein Typ.

Kandidat 4: mit Foto, reizender Text. Der ältere Herr kam mir so bekannt vor. Und dann erinnerte ich mich an die geliebte Kindersendung meiner Tochter: Meister Eder und sein Pumuckl, ja genau, das war er, der Meister Eder. Der Doppelgänger von Gustl Bayrhammer. Ein liebenswürdiger Opa-Typ, aber zu mir so gar nicht passend.

Kandidat 5: ein Narzisst, ein Sonnenkönig, von der ersten bis zur letzten Silbe.

Puhhhh…

Dann kam Paul…

Und während ich so las, flatterte bereits ein neues Mail herein:
Cool und herzerfrischend formuliert. Das klang ja nun interessant. Und schon kam das zweite Mail desselben Absenders hinterher: inklusive Foto.

 

Oh ja, – das klang nun wirklich sehr gut: ähnliche Interessen, cooler Typ, Hunde-Liebhaber, Münchner, alleinstehend und sehr interessiert…

Aber erst das Foto: genau der Typ, der mir ausnehmend gut gefällt. Groß, schlank, längere Haare, intensive Augen, gut geschnittenes Gesicht,….

Es fiel mir leicht, spontan darauf zu antworten und bereits ab diesem Moment entspann sich ein reger Austausch.

… und 37 weitere Anwärter

Gleich vorab: es kamen auch in den nächsten Stunden und Tagen weitere Mails und einige Briefe diverser Interessenten. Insgesamt 37 Stück. Ich war – ob des regen Rücklaufs – sehr überrascht. Etliche davon waren wirklich liebenswürdig, aber leider sprang keine Funke über.

 

Die skurillsten „Bewerber“

Die skurrilsten mails und Briefe möchte ich euch nicht vorenthalten.

 

Da war zum Beispiel Hermann.

Hermann, ein gebürtiger Schwabe, lebt mit seiner Mutter und sucht schon lange eine Frau, bei der er einziehen kann.

Die „liebe, brave und mit häuslichen Fähigkeiten ausgestattete, katholische Frau“, sollte auch Haus und Garten besitzen.

Denn, „ seine Mutter sei noch außerordentlich rüstig und könnte sich um den Garten kümmern“.

Fazit: Hermann würde nicht nur gleich selbst einziehen wollen, sondern, eh klar, wenn, dann nur mit der Mamma!!!

Lieber Hermann, ich wünsche Dir viel Glück, beim Finden der Frau die Dich, vor allem aber auch Deine Mutter will! Alles Gute – Ursula.

Ein paar boten an meinen Garten umzugraben?!  Ich hatte weder darum gebeten, noch Bedarf. War ich doch erst in mein Haus eingezogen und hatte meinen Garten gerade eben neu angelegt.

O-Ton Bernhard.

„Liebe Unbekannte, gleich vorab: ich bin ein guter Kuchenbäcker. Den Kuchen Deiner Wahl nehme ich mit, wenn ich Deinen Garten auf Vordermann gebracht habe. Während Du uns einen guten Latte zubereitest, schneide ich ein paar Blumen, um damit den Kaffeetisch zu dekorieren….“

Aber halt, stopp: in meinem Garten wird gar nichts abgeschnitten. Nein ganz und gar nicht. Da soll erst mal alles wachsen, was ich vor einem Jahr gesetzt und angelegt habe.

Und außerdem: mein Garten IST auf Vordermann gebracht, denn nagelneu und in stundenlanger Arbeit gegraben, gesät, gepflanzt, gedüngt, bedüddelt, umhegt, gepflegt, geliebt…

Folglich, lieber Bernhard, meine Empfehlung: bleib bitte in Deinem eigenen Garten, oder kauf Dir ein Stückchen Land, das Du umgraben kannst. Und für den Kuchen gibt es sicher ein paar dankbare Abnehmer. Ich buddle lieber alleine in meinem Garten, verbrenne dadurch ein paar Kalorien und häufe nicht zusätzlich welche mit unnötigem Kuchenverzehr an. Vor allem aber lass ich meine Blümchen wachsen und niete sie nicht um. Gutes Gelingen bei Deinen Kuchenkreationen! – Ursula

Olaf, der Gruselige.

Dann gab’s einen Verschwörungs-Theoretiker, namens Olaf, der mir einen unheimlichen, eng beschriebenen 4-seitigen Brief, Punktgröße 8 schrieb und mir Angst machte.

Darin wimmelte es gerade so von rechtsradikalen Parolen, hochgepriesenen Burschenschaften. Er predigte „freies Küssen beim Karneval“, wetterte gegen Menschenrechte und  Asylwerber, gab Tipps zum Abschrecken von Einbrechern, zitierte Bibelsprüche und sprang wie wild unzusammenhängend von einem Thema zum anderen.

Ein paar Aussagen möchte ich euch nicht vorenthalten:
„Du wirst einen schönen, festen Busen bekommen, ohne Silikonimplantate. Denn wenn ICH dich berühre, wirst du jünger, eine Jüngerin Christi und schöner und attraktiver werden. Im Gottesdienst singe ich Bariton und du singst mit mir mit.

Wie bitte?!?

Und so gings unendlich lange weiter. Gruselig! Der Abschluss lautete:
„Sollen wir uns zuerst im Kino küssen? Danach machen wir ganz viel Schaum unter der Dusche! Wenn du mich kennen willst, ruf mich an oder schreibe mir!…“

Wie ihr euch denken könnt, habe ich Olaf nicht angerufen und ihn nicht angeschrieben.
Ich war froh, dass ich keinen Namen, keine Adresse und keine Telefonnummer angegeben hatte.

Die Briefe kamen chiffriert über die Süddeutsche zu mir, mein mail account war mit einer extra mail-Adresse eingerichtet – ein Segen, wie ich nun feststellte.

Wie es weiterging, vor allem mit Paul, erzähle ich euch in der nächsten Glosse von
„Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann!


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