LET´S PLAY THE BLUES.

Interview mit Oliver Mally

Von Ursula.

Ziemlich cool der Typ, dachte ich, als er auf die Bühne kam. Nicht nur cool, sondern großartig war das anschließende Konzert von ihm.

Oliver Mally, ein authentischer, selbstbewusster Singer-Songwriter und Blues-Musiker, mit rauchiger Stimme und Tiefgang. Einer der Autodidakten, die sich der Musik verschrieben haben und kleineren Clubs, mit unmittelbarem Bezug zum Publikum, den Vorzug geben.

Und ein Jahr später, ein Interview mit ihm.

Der strahlende, gut gelaunte Mally läßt sich auf ein Gespräch ein, dass sich nicht nur um die Musik, sondern auch um ihn, den Menschen rankt. Ja klar, die Musik ist aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken und begleitet ihn in unterschiedlichen Formationen, in unterschiedlicher Tonalität seit über 30 Jahren. Aber da gibt es noch so vieles, was ihn ausmacht, ihn interessiert…

Copyright: Leo Fellinger

Rückblende:

Der junge Oliver, aufgewachsen in einem Elternhaus mit großem Interesse an Musik, Film und Literatur. Die erste Gitarre, mit 15 Jahren und dann das Schlüsselerlebnis: Eine Schallplatte von Muddy Waters, die ihn fesselt. Und er weiß nach wenigen Augenblicken: das, genau das will er machen. Er spielt die Platte vor und zurück, zeichnet ein Griffbrett in Originalgröße auf ein Blatt Papier, sucht die Töne auf der Gitarre, macht das wieder und wieder, bis er seine Skalen zusammen hat. Kein Schwimmbad, keine frische Luft, schon fast besessen, hartnäckig, verbissen. Er ist beseelt und erfüllt. Die Schule wird zu Ende gemacht, die Live Auftritte werden immer mehr, das Studium letztendlich abgebrochen. Für ihn ist es verpflichtend, dem nachzugehen, was ihm so unter den Nägeln brennt. 1991 erscheint die 2. CD, dieses mal bereits mit eigenen Songs. Und so hält er es bis heute. Seine Texte erzählen eine Geschichte, eine sehr persönliche und genau um die geht es. Die Gitarre dient ihm dafür als Teppich, als ruhige Unterlage. Er selbst bezeichnet sich als bescheidener Gitarrist.

Seine Bescheidenheit in Ehren! Denn das, was da von der Bühne kommt, berührt in allem, vom Text bis zur Musik. Man spürt seine Hingabe, seine Lust an dem was er macht. Er interagiert mit seinem Publikum, ein wenig frech, manchmal snobistisch, aber durchgehend charmant und mitreißend herzlich.

Er gibt immer 100 %, egal wie es ihm geht und unabhängig davon, ob das Konzert ausverkauft ist oder er nur vor 20 Leuten spielt. Das hat für ihn keine so große Bedeutung, denn in erster Linie macht er die Musik für sich. Die Songs schreibt er wegen sich selbst und nicht für jemanden. Und sein Feedback? Das ist seine eigene innere Schwingung. Kaum zu glauben und doch klingt es wie eine therapeutische Form.

Copyright: Leo Fellinger

Der Terminkalender ist voll, Mally gut gebucht. Klingt super, aber ist es das auch?

Das ständige Touren, die permanente Anspannung und Getriebenheit haben ihren Tribut gezollt. Je größer die Musik wurde, umso weniger Platz blieb für Oliver, der noch so viele andere Interessen hat, den die Neugierde 24 Stunden des Tages zu kurz werden lässt, der die Natur, die Tiere liebt. Der sein Geld für Literatur, Filme, Bildbände, Musik, alte Gitarren, Verstärker – und manchmal auch für Cowboystiefel ausgibt. Der Freunde hat, gerne isst, kocht, wandert, mit dem Rad fährt, der neugierig ist und hinterfragt.

Und nach mühsamer Krankheit, monatelanger Auszeit ist er nun am Lernen auf sich zu achten, hinzuschauen und dem Kind in sich einen Platz einzuräumen. Und sich vielleicht auch neu zu erfinden? Ein Prozess, der langsam voranschreitet, ihm aber neue Energie und Freude bringt, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Er selbst beschreibt sich mittlerweile als abnehmenden Choleriker und romantischen Realisten, der nicht verlernt hat zu weinen und immer noch ein bisschen rastlos ist.

Und wie schaut nun ein Sommer aus, der so richtig gut ist? Das weiß er noch nicht, aber die Prognosen stehen günstig!


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  1. Elisabeth

    28 Januar

    Genial geschrieben

  2. DigiTale

    29 Januar

    Vielen Dank!!!!!

  3. herbert rothmar

    31 Januar

    Super Artikel – habe „Sir“ Oliver Mally schon live gesehen, nach diesem Interview werde ich mir auch noch weitere Konzerte anhören. Jetzt kann man sich auch den Menschen hinter dem Musiker ein wenig vorstellen.
    Herbert

  4. Wolfgang

    31 Januar

    Schönes Interview! Toller Musiker!
    Wolfgang

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