Mutter. Modell. Künstlerin.

Ein Interview mit einer außergewöhnlichen Frau: Andrea Maria Reiser

Von Ursula.

Andrea Maria Reiser tauchte schon jung in die Welt der Kunst und Kreativität ein. Sie studierte Theatermalerei, Kostüm- und Bühnenbild und wurde Textildesignerin. Während andere ausschließlich studierten, jobbte sie neben dem Studium bereits am Theater. Ihre kreative Begabung und malerisches Talent wurden rasch erkannt und sie arbeitete unter anderem mit Menschen wie Günther Schneider-Siemssen zusammen.

Doch vorher wollte sie noch in die USA, nach Los Angeles – wo sich die vermeintlich große, weite Welt auftat. Zumindest begann gleich mal eine unerwartete Modell-Karriere. Äußerst fotogen und mit dem typischen „european look“ wurde unter anderem Elizabeth Arden auf sie aufmerksam.

Und alle diese Erfahrungen, die nicht immer einfachen Lehrzeiten und Lebensumstände, die sie ständig begleitende Kreativität, das Auseinandersetzen mit Kunst, Malerei und Theater – all das macht die starke Persönlichkeit und das heute komplexe Schaffen von Andrea Maria Reiser aus.

Ein früher Schritt in die Selbstständigkeit.

Schon bald, so mit 26 Jahren, war klar, dass Andrea selbstständig sein wollte. Frei nach dem Motto „Schaun wir mal, was daherkommt!“

Neben Kind, Ehemann, arbeiten im Festspielhaus, wurden Möbel entworfen und Panoramen für Fremdenverkehrsorte gemalt. Und schon bald gab es die Idee und die ersten Entwürfe für Teppiche.

Designteppiche nach Maß.

Zuerst in der Türkei, dann in Ungarn und mittlerweile in Nepal, lässt Andrea Reiser die von ihr entworfenen Teppiche fertigen. In ihrer sorgsamen Art war es für sie ganz wichtig zu wissen unter welchen Bedingungen die Teppiche hergestellt werden. Keine Kinderarbeit, gute Arbeitsbedingungen, hohe Qualität, dass waren ihre Kriterien. Und schon reiste sie nach Nepal um der Teppichfabrik einen Besuch abzustatten. Noch heute verbindet sie eine enge und liebevolle Freundschaft zu den Menschen, die sie dort kennen lernte. „Kooperativ und spielerisch, fleißig, unprätentiös und ausnehmend freundlich“, so schwärmt sie von ihren nepalesischen Geschäftspartnern, „die das westeuropäische Denken auf angenehme Weise beflügeln“.

Und so sind mittlerweile unzählige Unikate entstanden, die in Wohn-, Arbeits-, Kinder- und Schlafzimmer ihren besonderen Platz gefunden haben.

Gemeinsam mit ihren Kunden legt Andrea die perfekte Größe, die Farben, das Material und die Knotendichte des Wunsch-Teppichs fest. Anschließend folgt ein Entwurf in den Originalfarben und nach cirka 12 Wochen wird das prachtvolle Einzelstück geliefert.

Wenn was richtig ist, dann fließt es….

Die künstlerische Arbeit gibt Andrea viel Kraft. Dazu gehören auch die Bilder die sie malt. Ganz intuitiv, in kräftigen Farben gehalten, entstehen Arbeiten, die ihre persönliche Lebensfreude und Dynamik verkörpern.

Und die hat sie sich immer behalten, auch wenn sie manchmal die extremen Höhen und Tiefen einer Freischaffenden erleben musste.

Doch sie wusste immer, dass sie genau das Richtige machte und der Erfolg blieb letztendlich nie aus. Auch wenn er nicht immer monetär war, schöpferisch und stärkend war er in jedem Fall. Und das gibt und gab ihr die Kraft, auch in schwierigen Zeiten weiter zu machen und an sich zu glauben. Und sie ist überzeugt davon, dass alles fließt, wenn es richtig ist. Und so vertraut sie, neben ihrem natürlich angeborenen Geschäftssinn, auf ihre Intuition und macht all das, was ihr richtig erscheint.

Luster und Mobile.

Im Atelier hängen bezaubernde – einst alte Luster – die ganz besonders und speziell aussehen, mit ihren funkelnden bunten Steinchen, mit denen sie Andrea aufpeppt und zu neuem Glanz erstrahlen lässt. Denn aus alt mach anders, ist hier die Devise.

Dann wiederum große, prächtige Mobile bis zu 2 Meter. Der Anstoß kam von einem alten Freund, der ein besonderes Geburtstagsgeschenk für den Landeshauptmann suchte.

Und Andrea Reiser versuchte sich an der Idee von Balance und Harmonie und kreierte das erste Mobile. Und viele weitere folgten.

Auch bei den Mobiles, wie bei allen anderen ihrer Arbeiten, zählt die Individualität.

Zurück in die Stadt.

Während des Gesprächs erinnert sich Andrea an die Zeit, als sie mit ihrem Mann und den 3 Kindern noch am Land lebte. In einem riesigen geschichtsträchtigen Haus, das nicht nur Wohn- sondern auch Kulturstätte war. Da kamen Hunde – und viele Katzenbabies zur Welt, im März gab es schon den ersten Salat aus dem eigenen, großen Garten, zur Sonnwendfeier waren schon mal 150 Gäste da, hier wurde gelebt, geschaffen und gearbeitet.

Seit 10 Jahren lebt und arbeitet Andrea nun in der Altstadt, im Stadtteil Nonntal und hat seit 4 Jahren „Atelier & Galerie“ mit ihrer Tochter Amina, einer Fotografin, aufgebaut und belebt.

Die einladende, helle, elegante Galerie mit dem alten Klavier aus dem Familienbesitz, ist nicht nur Ausstellungs- und Verkaufsraum sondern auch gleichzeitig Atelier, in dem Andrea nun auch ihre neuesten Kreationen entwirft.

Reiser Artbag – jede davon, ein Unikat.

Artbag – so nennt Andrea Reiser ihre Handtaschenunikate. Die Idee kam ihr bei einem Mallorca-Aufenthalt, als sie ein paar Handtaschen sah, die anderes als die hochpreisigen Marken, die billige Chinaware und die Taschen von Kunsthandmärkten waren.

Ja, das war’s: Handtaschen – einzigartig, individuell und passend zur Kleidung.

Wie es der „Zufall“ wollte, kannte Andrea eine Schneiderin, die gerade ihren Job verloren hatte. Mit ihr zusammen entwickelte sie die ersten Unikate. Und wieder einmal tauchte sie in ein völlig neues Metier und eine neue Herausforderung ein:

Die Taschen mussten hochwertig und speziell sein, handmade in Salzburg, praktisch, kein Tier durfte dafür sterben und am liebsten sollten Frauen ihres Alters, die keinen Job hatten, bei diesem Projekt mitarbeiten.

Zwei glückliche Zufälle – eine Modenschau, bei der sie die Taschen präsentieren und die Prospekte den Give aways beilegen konnte, dann 70 georderte Taschen für die besten Gäste des Schloss-Hotels Leopoldskron und der Präsentation im Zimmerpass, haben mittlerweile die „Reiser Artbag“ bekannt gemacht.

Und die kluge, selbstbewusste Andrea fungiert als ihr eigenes, bestes Testimonial.

Ob bei den Festspielen, im Atelier, privat oder auf Reisen – die „Artbag“, in Kombination mit der dazu passenden Kleidung ist immer dabei.

Die neue, alte Modell-Karriere.

So konnte es nicht ausbleiben, dass nach einem Interview, für das auch Fotos gemacht wurden, Fotograf, Stylist und Visagist begeistert von der fotogenen und völlig unprätentiösen Andrea waren.

Mittlerweile ist sie bei Wiener Models unter Vertrag und hat einige Plakat-Kampagnen und Werbefilme gemacht.

Andrea Reiser weiß, worauf es ankommt und dass in ihrem Alter die Luft zum modeln schon etwas dünner wird. Setzen viele ihrer Kolleginnen auf Botox und chirurgische Eingriffe, bevorzugt sie Natürlichkeit, Fitness, Authentizität und eine positive Grundhaltung.

Täglich wird mit dem Hund gejoggt, sie vertraut auf Ayurveda, ihre guten Gene und freut sich über jeden Tag, an dem sie auf tolle Menschen trifft, Kultur genießt und Neues kennen lernen darf.

Nicht zuletzt ihre ehrenamtliche Mitarbeit im Hospiz lässt sie das Leben jeden Tag aufs Neue feiern.

Und so beschließt sie das Interview mit einigen Sätzen, die uns alle betreffen:

„Es ist wichtig, genau hinzuschauen, wie ich meinen Tag lebe. Kreativ zu sein und mir selbst nahe zu kommen, eine unerschöpfliche Quelle in mir selbst zu finden und unabhängig von anderen Menschen meine Zufriedenheit zu erlangen.“

Danke Andrea, für den kleinen Einblick in Dein dichtes, spannendes Leben.


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