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Teil 3: Ich will keine Schokolade – ich will liebe...

Teil 3: Ich will keine Schokolade – ich will lieber einen Mann!

Selbstversuch 2: Das Heiratsinstitut

Von Ursula.

Woche für Woche fiel mir in diversen Printmedien ein Heiratsinstitut auf, das mit grandiosen Texten seine heiratswilligen und –wütigen Kandidaten bewarb.

Alles klang sehr elitär, sehr gefühlvoll, sehr extraordinär….

 

Kurzum: die Texte waren so „un-glaublich“, dass meine Neugierde geweckt war. Nun wollte ich genau wissen, was da dahintersteckte.

Ein Termin im nobelsten Stadtteil von München

Die Adresse befand sich im wohl schönsten und teuersten Stadtteil von München. Die freundliche Dame am Telefon nannte den Termin und bat um Mitnahme und sorgfältige Auswahl aller wichtigen Unterlagen, meine Herkunft betreffend. Diskretion selbstredend.

Folglich beschloss ich nichts mit zu nehmen, da meine Abstammung eine völlig unspektakuläre ist. Und das großväterliche Familienwappen und die nicht gerade heiter stimmende Geschichte meiner Ur-Großmutter, die eine verarmte Adelige war, konnte weder mein Renommee heben, noch irgend wen besonders interessieren.

Somit fuhr ich – sehr unnoblich – zum vereinbarten Termin.

Mein Erstaunen war groß, denn in dem wirklich schönen, eleganten Stadtteil gab es ein einziges Haus, das abgerockt und ziemlich hässlich war – und genau da befand sich das Institut, das aus einem einzigen Raum bestand, mit Toilette am Gang. Die Einrichtung bestand aus Pseudo-Barock, die Dame des Heiratsinstitutes hingegen war echter Barock.

Die Märchenprinzen

Nach genauer Befragung meiner Person und dem ungünstigen Ergebnis, dass ich nicht mehr die Jüngste sei und auch nicht durch Reichtum oder zu erwartende Erbschaften glänzen konnte, erzählte mir Frau G. von ihren wunderbaren Männern. Die allesamt gerade nur so in Geld schwammen, extrem erfolgreich waren, die Zukünftige auf Händen tragen würden und ein umwerfendes Charisma hätten.

Eh’ klar, denn auch ihre Anzeigentexte versprachen nichts anderes.

 

 

Mein Einwand, dass ich sowieso nicht getragen und einen Partner auf Augenhöhe haben möchte, wurde mit einer abfälligen Handbewegung vom Tisch gewischt. Sie unterstellte mir zu wenig Erfahrung in Sachen Prinzen, denn immerhin sei sie die Spezialistin wenn’s um romantische und lebenslängliche Beziehungen geht. Und gegen starke Schultern und dementsprechende Arme könnte man als etwas schwache Frau doch wohl nichts einzuwenden haben.

Aber auch hier erhob ich Einspruch.

Denn ihre Definition von schwach klang für mich fast wie behindert sein. Und wenn ich mich wirklich mal schwach fühle, dann auch nur wenn ich einen 75 kg Blumenerde-Sack alleine ins Hochbeet hieven soll.

 

 

Frau G. fand mich gar nicht lustig.

So ein Prinz ist wahrlich kein Schnäppchen.

Und um mir den Ernst der Sache nahezubringen, schwenkte sie zum finanziellen Teil über.

Positives zuerst, versteht sich von selbst. Sie versprach mir binnen einem Jahr den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Obwohl, bei mir sei das ja nicht so einfach. Man müsste mich um 10 Jahre jünger machen, dann könnte es klappen.

Spätestens jetzt hatte sie mich richtig bei meiner Ehre erwischt. Ich war so alt wie ich war und damit BASTA.

Dann konnte sie mir natürlich nicht die Garantie geben, dass ich unter die Haube komme, meinte sie.

Aber der Preis den sie mir abnehmen wollte, sei bei mir sowieso nicht so hoch, hatte ich ja finanziell und herkunftsmäßig nicht viel auf zu weisen. Also, mit geringen Euro 6.000,- war ich dabei.

Das war wohl nicht ihr Ernst! Doch, das war er.

 

 

Und schon erzählte sie von den Männern, denen für ihre Zukünftige (die sie ein Leben lang auf Händen tragen müssten?!?) kaum ein Preis zu hoch sei. Da würde sie 10% des Einkommens verlangen und das wären rasch mal 40.000 Euro. Aber bei dieser Kategorie würde sie mich sowieso nicht sehen.

Ein Unternehmer, ja, mit einem kleinen Schiff, ja, wohlhabend natürlich, schönes Haus, schönes Auto – ja sicher. Aber die richtige Elite käme für mich sowieso nicht in Frage.

 

 

Somit hatten wir das auch geklärt.

Und endlich die Fotos von den Prinzen!

Nachdem Frau G. mich nun eindeutig nicht verstanden hatte, nichts von dem begriff, was ich wirklich wollte, war ich mürb geklopft und hoffte auf ein erfreuliches Ende unseres Zusammentreffens: der gelungenen Präsentation der in Frage kommenden Kandidaten.

Mit großer Geste und wohlfeilen Sätzen, zauberte meine Heiratsmittlerin das erste Booklet hervor.

Ein Bild von einem Mann, – wie ich ihn zuvor noch nie gesehen hatte!

 

 

Dick, Zigarre rauchend, Wurstfinger, listige Äuglein, verschlagenes Grinsen.

„Na, wie gefällt Ihnen dieser Herr?“ – fragte Frau G. Freude strahlend. „Einer meiner Besten – er hat einen florierenden Autohandel, bewegt sich in der Münchner Society, bla, bla, bla.“

Ich winkte ab.

Unverständnis in den Augen meiner Kupplerin.

Und schon kam der nächste:

Ein Friseur, mit eigenem Laden, der auf schnelle Autos steht, Golf spielt, Club-Urlaube liebt – ein richtiger Genießer und Kenner.

Sie sah das blanke Entsetzen in meinen Augen und suchte nach der nächsten Mappe.

Alter Adel, mit Betonung auf alt. Der betagte Herr zählte 85 Jahre.

Wohl doch nicht passend, wobei, – die Chance aus meiner niederen Herkunft doch noch was zu machen, sollte ich mir wirklich überlegen…

Und schon zückte sie die nächste Mappe.

Das einzige, was mich an diesem Mann interessierte, war sein Beruf. Er schrieb, als Drehbuchautor und war so klein wie ich.

Da konnte man schon einiges Verbindendes ableiten und ich nickte, nur um der zunehmenden Frustration meiner Mittlerin entgegen zu wirken.

Und gleich darauf war der erhoffte Zauber vorbei. Mehr gab es nicht aus der Wundertüte.

 

 

Ich sei schon ein schwieriger Fall und nun wäre es das Beste, wenn ich alles mal überschlafen würde, meinte Frau G.

Ich glaube, dass wir beide erleichtert waren, als wir uns verabschiedeten.

Ich habe es überschlafen und dankte Frau G. am nächsten Tag für ihren beeindruckenden Einsatz, aber es käme für mich wohl nicht in Frage.

Nach einem halben Jahr hörte ich wieder von ihr, sie schrieb:

„….kann ich Ihnen einige wunderbare Männer ganz besonderer Herkunft anbieten und da Sie eine beeindruckende, nicht alltägliche Frau sind, würde es mich freuen, Sie in meiner Kartei aufzunehmen, zum Sonderpreis von Eur 3.000,-……..“

Tja Mädels, man muss nur aussitzen können. Und schon verblasst der Makel des Alters, der Herkunft und des nicht vorhandenen Reichtums!

Nächste Woche erzähle ich Euch von meinem Speed-Dating.

Und: es war wirklich speedy!


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