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Teil 2: Ich will keine Schokolade – ich will liebe...

Teil 2: Ich will keine Schokolade – ich will lieber einen Mann!

Teil 2

Von Ursula.

Nach meinem Olaf-Schock brachte der Postbote ein Päckchen. Ich konnte meiner Neugierde nicht wiederstehen und machte es – obwohl ich mir geschworen hatte, keine Sendungen mehr von der Süddeutschen zu öffnen – doch auf.

 

Ein Päckchen mit der Post

Der darin befindliche Brief war ebenfalls romantisch auf Rosen-bedrucktem Briefpapier, das Konterfei eines wesentlich älteren Mannes lächelte mir von jeder Briefseite verführerisch entgegen. Handgeschrieben erzählte er in den höchsten Tönen von sich.

Als ich das Paket öffnete, „dufteten“ mir Rosen entgegen. Dunkelrot, ein wenig vergammelt, ursprünglich aber schöne, exklusive Exemplare.

Was ich euch nicht vorenthalten möchte:

„Ich, jung-gebl., vital, 85 J. wie 60, NR, NT, Gourmet, ehem. Manag. mit hoher Bildung, Niveau und Charakter, Lebens-und Liebeserfahrung, potent, weltbereist, fotog., fantasievoller Lover. Ein Goldjunge an Ihrer Seite!“

Und schon schwengte er vergnügt und voller Inbrunst vom „Sie“ ins vertraute „Du“ über:

„Nur für Dich, Süße, Dich will ich haben, aber für immer. Ich bin ein Ausnahme-Mann, erfolgreich, geschätzt, vital, chic und von allen gewollt und gefragt. Vor allem in der Damen-Welt.“

Bingo – das war doch nun wirklich der richtige Aufenthaltsort für meinen Sunny-Boy: die Welt der Damen!

Also, lieber jung-gebl. NR, NT. und ehem. Manag. – eine „Dame“ werd’ ich sowieso nie und wenn schon so ein großer Andrang ist, dann lasse ich den anderen gerne den Vortritt.

Also, liebe Damen, es gibt einen fotog., fanatsievollen 85-jährigen Lover, der noch unbeweibt ist!

Der Heiratsantrag

Ja, den gab es auch. Von einem Manager, der auf Grund meines kleinen Inserates, die große Liebe ableitete und außerdem esoterisch bereits wusste, dass genau ich, ja ich, die einzig Richtige wäre. Ohne mich jemals gesehen oder gesprochen zu haben. Dem mehrseitigen, erklärenden Brief folgten noch weitere, inklusive jeder Menge Fotos, auf denen der potentielle Zukünftige mit viel Prominenz abgebildet war. Sehr eindrucksvoll!

Da fällt mir gleich dazu der Artikel „ein gefaktes Leben“ ein. (Lesenswert – auf unserem Blog!)

Außerdem hatte er mir eine CD gebrannt, da er – auch hellseherisch begabt – bereits genau wusste, welche Art von Musik mir gut tut und für mich das Richtige wäre. Dann legte er noch ein Foto eines offenen Bruches bei, ja – richtig gelesen. Igitt! Mit dem Kommentar, er sei beim Brief aufgeben in ein Auto gelaufen und wollte gleich mal dokumentieren, welche Schmerzen er wegen mir erleiden musste und es gerne tat. Denn: er hörte schon die Hochzeitsglocken läuten!

Ich weiß bis heute nicht, welche Musik mir gut tut. Denn ich habe alles wieder an den Absender retourniert. Und bin, wie ihr euch denken könnt: UNVERHEIRATET!

Ein anderer wiederum schloss mich ab jetzt in seine unzähligen Gebete ein – das konnte nun nicht wirklich schaden.

Das männliche Pärchen Gerard und Jean.

Richtig lustig hatte ich es – und ich gestehe, auch meine Tochter und meine 10 besten Freundinnen – mit dem älteren Paar Gerard und Jean, dass mir ihre Gunst incl. allumfassendes Verwöhn-Programm, hervorragendes Essen, klassische Musik, tolle Weine und exquisiten Champagner anbot. Sie fragten frisch und frei, ob ich es denn nicht schon mal mit zwei französischen Männern getrieben hätte und – wie auch immer – es treiben möchte?!

Amüsiert und doch ein wenig peinlich berührt, wollte ich den wirklich lustigen Text nicht unbeantwortet lassen und schrieb ihnen zurück, dass ich französische Männer namens Gerard und Jean nur als Schauspieler, nämlich Depardieu und Reno kenne.

Das wäre alles nicht so tragisch, meinten die Beiden, für mich würden sie alles mimen wenn ich das wollte, von Depardieu über Reno bis zum Glöckner von Notre Dame.

Die beiden waren so genial und amüsant, dass wir einige Male hin und her schrieben, wobei meine Freundinnen noch mehr an ihnen und ihren kreativen Ideen interessiert waren, als ich.

Denn ich hatte ja Paul.

Paul, den reizenden Münchner, der Mann der Wahl. Die Korrespondenz war intensiv, mehrmals täglich, anziehend, erheiternd, liebevoll.

Der Austausch der Telefonnummern erfolgte, Paul kündigte seinen Anruf am Abend an, damit wir uns endlich, endlich hören und ein Treffen vereinbaren könnten.

Ich freute mich auf den Abend.

Paul hatte jedoch vergessen zu sagen, an welchem Abend.

Und das Inserat in der Süddeutschen habe ich vor über einem Jahr aufgegeben.

Kopf hoch Mädels – im Nachhinein betrachtet war es eine interessante Erfahrung mit unterschiedlichen Menschen – und würde ich in Wirklichkeit nicht an Märchen und die dazugehörigen Prinzen glauben – wäre vermutlich auch ein echter Mann aus Fleisch und Blut dabei gewesen.

Nächste Woche könnt ihr mich ins Heiratsinstitut begleiten.

Das war mindestens so amüsant wie der Versuch mit dem Inserat!


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