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Vera Russwurm: Mein Erfolg?

Vera Russwurm: Mein Erfolg?

…Talent, Glück und Disziplin.

Interview mit Vera Russwurm

Von Ursula

Copyright Manfred Baumann

Kaum zu glauben, aber seit fast 40 Jahren kennt man sie. „Die Vera“ aus Fernsehen, dem Rundfunk und als Kolumnistin.

Vera Russwurm, eine über die Grenzen hinaus beliebte und bekannte Moderatorin, die seit kurzem auch als Buchautorin Furore macht.

Ameisenhaufen“ so heißt ihr Debüt-Roman, der uns auf spannende Weise Einblick hinter die Kulissen des Fernsehens gewährt, in die Welt einer großen, privaten Produktionsfirma, in der es plötzlich zum Krimi wird…

Ein autobiografischer Roman? „Nein, gar nicht, es handelt sich dabei natürlich um das mir so gut bekannte Genre Fernsehen und um vieles, was ich dabei selbst erlebt und aufgesogen habe. Aber die Personen und die Handlung sind frei erfunden,“ erzählt uns Vera Russwurm im Interview.

Über 214 Seiten erstreckt sich das Werk, das seinen Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht hält und die Leser in den Bann zieht. Die Autorin berichtet von der Idee, die aus einem launigen Gespräch mit Freunden heraus entstand, der Begeisterung des Verlags und dem Druck, den sie sich durch die Vertragsunterzeichnung mit der festgelegten Deadline von etwas mehr als einem Jahr, selbst auferlegte. Aber so gut wie alles in ihrer beruflichen Laufbahn, hat sie auch diese Herausforderung erfolgreich gemeistert und denkt zumindest im Moment über keine weiteren Bücher nach.

Also, Thema Buch schreiben – die nächsten Jahre abgehakt.

Copyright Manfred Baumann

Auch wenn vieles von dem, was ich anschließend frage, von Vera Russwurm in den unterschiedlichsten Medien bereits beantwortet wurde, ist es spannend über diese „Ausnahme-Vita“ zu erfahren und ihrer prägnanten, unverwechselbaren Stimme zu zuhören.

In ihrer lockeren und professionellen Art erzählt sie über ihren Werdegang:

Ihre Karriere beim ORF begann bereits mit 19 Jahren als Moderatorin der wöchentlichen Jugendsendung „Okay“ und bei Ö3. Schon damals hatte sie keine Scheu vor Publikum, Kameras oder den Medien an sich. Als reiner Autodidakt ohne Sprach- oder sonstige Schulungen, stach sie beim Casting durch ihre natürliche Art ihre Mitbewerberinnen aus. Sie sprach, wie ihr der Schnabel gewachsen war, bewegte sich so, wie sie eben war und überzeugte durch ihre Authentizität.

Schon erstaunlich, für eine so junge Frau mit gerade mal zwanzig Jahren. Die Lockerheit, ohne Scheu in einem Studio mit ca. 400 Zuschauern vor der Kamera zu stehen, führt sie auch auf ihr freiwilliges Schuljahr in die USA zurück, wo sie neben anderen Fächern eine wöchentliche Doppelstunde „Speech“, also „die freie Rede“ belegte. Vera inskribierte für Journalismus, war bei einer Schülerzeitung, im Schülerradio – aus reinem Interesse – aber nie, um daraus einen Beruf zu machen. Denn ihr Ziel war die Medizin und nicht die Medien. Aber wie so oft im Leben kam es dann doch anders.

So klopfte die Kronen Zeitung bei ihr an und gewann sie als Ressortleiterin der Jugendseite „Insider“, die 6 x die Woche erschien, neben all ihren anderen Tätigkeiten beim Rundfunk und Fernsehen. Und langsam wurde ihr bewusst, dass diese drei medialen Stränge nicht nur Spaß machten und sie ein absolutes Talent dafür hatte, sondern tatsächlich auch ein echter Beruf sein könnte.

Es wäre nicht Vera Russwurm, hätte sie ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren. Sie machte ihr Medizinstudium fertig und promovierte mit 28 Jahren zum Dr.med.

Und da stellte sie sich nochmals ernsthaft die Frage, ob es nicht doch die Medizin werden sollte, mit einem sicheren Ein- und Auskommen, der Übernahme der mütterlichen Praxis… Denn was wäre, wenn es mit den Medien auf einmal aus, oder sie nicht mehr gefragt wäre? Heute, fast 30 Jahre später weiß sie, wie unberechtigt diese Frage war.

Auch Ihr Mann Peter Hofbauer, Fernseh-Produzent und Chef des bekannten Wiener Metropol gab ihr den Rat bei den Medien zu bleiben, wusste er doch um das Talent seiner Frau. Und letztendlich entschied sie sich für das, was ihr näher stand und sie hat es bis heute keinen Tag bereut.

Ihre Sendungen und Moderationen lesen sich wie das „Who’s Who“ der quotenträchtigsten Fernsehformate und brachten ihr für drei verschiedene Hauptabendsendungen den „Frauen-Oscar“, dreimal den „Romy“ als beliebteste Showmasterin und den „New York TV Award“ für die Kategorie „beste Talkshow“ ein.

Und das alles ohne Flop, ohne Rückschläge?

Nicht ganz, denn ihre erste große Hauptabendshow „Hallo Fernsehen“ wurde nach einem Jahr eingestellt. In diesem Format, einer Mischung aus Showprogramm und Talk, ging es auch um Lebensthemen. Und mit gerade mal 24 Jahren, war sie dafür ganz einfach zu jung und somit auch zu unglaubwürdig.

Während sie noch darüber nachdachte, wie es nun weitergehen sollte, kam das ZDF und bot ihr neben Hans Jürgen Bäumler die Moderation der ZDF/ORF Koproduktion „Was wäre wenn“ an. Rund 30 Millionen Zuschauer, die jüngste Showmasterin im deutschsprachigen Raum und gerade am Sprung um in Deutschland große Karriere zu machen.

Was will man mehr?

Und doch kam wieder einmal alles ganz anders. Und zwar in Form ihrer ersten Tochter, der später noch eine zweite und dann eine dritte folgte. Das perfekte Familienglück? Ja und sie ist auch dankbar dafür. Dankbar, dass es ihren Töchtern gut geht. Aber auch für ihr liebevolles Elternhaus, in dem sie aufwuchs und das sie stark geprägt hat. Dankbar für ihre Familie, ihren Mann, mit dem sie über 30 Jahre verheiratet ist und mit dem sie und ihr Bruder gemeinsam die Produktionsfirma „HofPower“ betreiben.

„Auch wenn man mal fällt“, meint Vera Russwurm, „fällt man nicht tief, denn da gibt es ein Nest, das einen auffängt und in dem man das Gefühl der Geborgenheit hat“.

Und Krisen, das kommt auch bei Vera und in den besten Familien vor.

So ähnlich heißt auch das neue Format, zu dem ihr Mann die Idee hatte. Er wollte etwas über Gefühle machen. Und so entstand: Vera. Das kommt in den besten Familien vor.

Jeden Samstag um ca. 22.00 Uhr spricht Vera Russwurm mit Menschen, die psychische, physische und emotionale Krisen unterschiedlichster Art bewältigt haben.

Und da kommt ihr auch immer wieder ihr altes Wissen um die Medizin zugute, besonders dann, wenn es um seelische oder gesundheitliche Probleme der geladenen Gäste geht. Wie schon damals bei dem Gesundheitsmagazin „Primavera“, das neben Vera, Vera exklusiv und Vera bei… zu ihren erfolgreichen Talkformaten zählt.

Möchte sie es nicht mal ein wenig ruhiger?

„Es ist schon ruhiger geworden“ erzählt sie uns, „nämlich zu Hause, seit meine beiden älteren Töchter ausgezogen sind“. Denn mit dem Auszug war auch auf einmal der dazugehörige Freundeskreis weg. Und wie so viele Mütter, hatte auch Vera Russwurm mit der neuen Situation zu kämpfen, „ich dachte, mein Kind bleibt bis 100 bei mir“. Mittlerweile hat sich die taffe Moderatorin, Ehefrau und Mutter ganz gut mit der neuen Situation arrangiert. Es ist zwar zu Hause stiller geworden, aber auch wieder mehr Raum für Zweisamkeit und die Ruhe, miteinander zu reden. Und die jüngste Tochter lebt ja noch zu Hause.

Vera Russwurm wird heuer 58 Jahre alt – unglaublich, wie jugendlich, strahlend, vital und fit sie ist. Dazu gehört kein Botox, sondern Disziplin und Konsequenz. Sie achtet auf gesunde Ernährung, nicht zuletzt, da ihre Töchter sehr ernährungsbewusst sind und sie selbst viel zum Thema recherchiert hat. Dann macht sie ein- bis zweimal die Woche Krafttraining, spielt Tennis, geht laufen, radfahren oder schwimmen.

Und gibt es auch für ihren fast 40-jährigen Erfolg ein Patent-Rezept?

Das führt Vera Russwurm auf mehrere Faktoren zurück. Sie begann zu einer Zeit, als das Fernsehen noch große Namen hervorbrachte. Es gab zwei Sender im ORF und hohe Einschaltquoten. Damit wurde der Name „Vera Russwurm“ für jeden und nicht nur für eine bestimmte Zielgruppe rasch zum Begriff. „Der richtige Zeitpunkt spielt natürlich auch eine Rolle, aber was wirklich zählt sind Talent, Glück und Disziplin“.

Und davon hat sie nun wirklich alles.

Das Interview mit Vera Russwurm habe ich am Telefon geführt. Und wie es bei vielbeschäftigten, hoch-professionellen Gesprächspartnern oft der Fall ist, war die Zeit bemessen. So konnte ich einiges von dem, was ich noch gerne erfahren hätte, leider nicht mehr fragen.


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